Zum Eintreten auf das Geschäft «Sanierung und Ausbau der Langfeldstrasse»

Gemeinderatssitzung vom 25. April 2012

Herr Präsident, geschätzte Damen und Herren

Es ist grundsätzlich begrüssenswert, wenn die Stadt alles unternimmt, um die Verkehrsströme optimal zu lenken. Ob das mit dem geplanten Ausbau der Langfeldstrasse gelingt, wage ich zu bezweifeln.

Wir stimmen heute über einen Kredit ab, von dem rund ein Drittel für den Landerwerb für den Endausbau benötigt wird.  Gemäss Botschaft ergibt sich der Zeitpunkt der Ausführung „aus dem effektiven Bedarf“. Es soll dereinst sogar eine separate Busspur gebaut werden, wobei wir nicht vergessen wollen, dass unser Rat den Versuchsbetrieb der Stadtbuslinie 5, Juch, vorerst bis Dezember 2014 verlängert hat. Wir sind uns also nicht sicher, ob der Bedarf zur Weiterführung dieser Linie in Zukunft gegeben ist. 

Die Kreditvorlage ist eingebettet ins Verkehrskonzept Frauenfeld Ost. Die Stadtplaner rechnen allgemein mit guten Entwicklungsmöglichkeiten im Gewerbegebiet Langdorf/ Frauenfeld Ost und damit verbunden mit einer weiteren Verkehrszunahme. Wenn wir also heute der ersten Ausbaustufe „Sanierung und Ausbau Langfeldstrasse, Langdorf- bis Langfeldkreisel“ zustimmen, schaffen wir mit den 320‘000 Franken für den Landerwerb gleichsam ein Praejudiz für den Endausbau: einen Luxusboulevard, sozusagen eine Parallelautobahn zur A7, mit einer Strassenraumbreite von sage und schreibe 18,5 m. Wir sollen heute einen Kredit von fast einer Million für eine überaus grosszügig geplante erste Ausbaustufe sprechen, wobei dieser Kredit auf unsicheren Prognosen beruht.

Dass die Hauptwasserzuleitung ersetzt, die bestehenden Kanalisationsleitungen erhöht und die elektrischen Leitungen erneuert werden müssen, leuchtet ein. Die Fahrbahnverbreiterung hingegen erachte ich als unnötig und wirtschaftlich nicht vertretbar. Wenn die Verlängerung der Breitenstrasse, die 1997 klar abgelehnt wurde, realisiert worden wäre, würde der geplante Ausbau der Langfeldstrasse eher Sinn machen. Das hätte wohl zu einer nachhaltigeren Verkehrsentlastung geführt. Immerhin ist nun eine Mehrheit glücklich über die Entstehung des Murgauenparks. Breitenstrasse und Park, das wäre nicht möglich gewesen.

Ich habe die Langfeldstrasse im Hinblick auf die heutige Debatte etliche Male befahren und dabei festgestellt, dass die Fahrbahnbreite völlig ausreichend ist. Ein Kreuzen von grösseren Fahrzeugen ist eher selten und führt kaum zu Behinderungen bzw. zu nennenswerten Zeitverzögerungen. Auf dem einseitigen Trottoir von 2 m Breite sind nicht viele Fussgänger anzutreffen, die bei höherem Verkehrsaufkommen einer Gefahr ausgesetzt wären.

Ausserdem bin ich zu Stosszeiten auf der Zürcherstrasse Ost öfters stadteinwärts gefahren. Mehr als fünf bis sieben Minuten dauerte es selten, bis ich vom Tower Ost bis zur Erchingerstrasse vorankam. Der Leidensdruck des Wartens ist in grösseren Städten ungleich höher. Sehr ärgerlich ist hingegen der Rückstau, der sich bildet, wenn Autofahrer von der Bahnhofstrasse links in den viel zu kurzen Ast der Erchingerstrasse abbiegen, um auf die Zürcherstrasse zu gelangen. Wegen der engen Platzverhältnisse ist ein Vorbeifahren rechts auf der Bahnhofstrasse gar nicht möglich. An diesem neuralgischen Punkt glänzten die Verkehrsplaner nicht mit Weitsicht. Die Wiedereröffnung des Lindenspitzes wäre halt schon klüger, Stadtbus hin oder her, damit sich der Verkehr dort teilen kann, wo es am meisten Sinn macht. Dann könnte man auch die Kreisel- oder Signalisations-Diskussion bei der Einmündung der Oberkirch- in de Zürcherstrasse wieder aufnehmen.

Zusammenfassend stelle ich fest, dass der geplante Ausbau der Langfeldstrasse in dieser Form übertrieben und wegen der unsicheren Verkehrsprognosen nicht gerechtfertigt ist. Die Stadt Frauenfeld macht sich mit ihrer Verkehrsplanung unglaubwürdig, wenn sie eine Luxusstrasse baut, deren Bedarf aus heutiger Sicht überhaupt nicht ausgewiesen ist.

Ich bin für die Sanierung der Langfeldstrasse, allerdings unter Beibehaltung der Fahrbahnbreite von 7 m. In Anbetracht der zu erwartenden Zustimmung für dieses Projekt werde ich in der materiellen Beratung keinen Antrag stellen. Ich werde den Ausbau und den Kredit ablehnen.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF