«Lindenspitz» muss stadteinwärts wieder geöffnet werden

Gemeinderatssitzung vom 27. Februar 2013

Herr Präsident, geschätzte Damen und Herren

Die Beantwortung der Interpellation „Lösung Lindenspitz“ von Gemeinderat Andreas Elliker vermag mich nicht zu überzeugen. Ich darf Sie daran erinnern, dass ich am 25. April 2012, als unser Rat der Sanierung und dem Ausbau der Langfeldstrasse zustimmte, unter anderem Folgendes sagte:

«Sehr ärgerlich ist der Rückstau, der sich bildet, wenn Autofahrer von der Bahnhofstrasse links in den viel zu kurzen Ast der Erchingerstrasse abbiegen, um auf die Zürcherstrasse zu gelangen. Wegen der engen Platzverhältnisse ist ein Vorbeifahren rechts auf der Bahnhofstrasse gar nicht möglich.“ Und weiter: „Die Wiederöffnung des Lindenspitzes wäre halt schon klüger, Stadtbus hin oder her, damit sich der Verkehr dort teilen kann, wo es am meisten Sinn macht. Dann könnte man auch die Kreisel- oder Signalisations-Diskussion bei der Einmündung der Oberkirch- in die Zürcherstrasse wieder aufnehmen.»

An meiner damaligen Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert, erst recht nicht, nachdem ich die Beantwortung des Stadtrates gelesen hatte. Bereits im Jahr 2001 ist einer Stellungnahme des Stadtrates auf eine Interpellation von alt Gemeinderat Werner Vetterli zu entnehmen, dass (Zitat) „aufgrund der neuesten Verkehrserhebungen der hausgemachte (von einem Stadtteil in den anderen) und der regionale  Durchgangsverkehr gegen 60 Prozent des Verkehrsaufkommens beträgt.“

In seiner Stellungnahme auf eine 2. Interpellation am 4. Oktober 2005 gibt der Stadtrat immerhin zu (Zitat): „Mittels einer Verkehrssimulation zeigte das Ingenieur- und Planungsbüro Widmer auf, wie sich bei einer Öffnung der Zürcherstrasse in Richtung Stadtzentrum beim Lindenspitz die heutigen Verkehrsmengen auf die Stausituationen gemäss Modell auswirken werden. Es hat sich gezeigt, dass die Öffnung mit verschiedenen Massnahmen wieder möglich wäre.“ Der Stadtrat räumte damals ein, dass sich die Wartezeiten für den stadteinwärts fahrenden Verkehr ab dem Lindenspitz bis zum Erchingerhof (ich zitiere) „gegenüber heute verringern würden. Ebenso würde sich der Rückstau bei der Abzweigung Gartenlaube verringern.“

Leider konnte sich der Stadtrat damals wie auch heute nicht zu einer klaren Lösung durchringen, wie wir der Antwort auf Frage 1 von Gemeinderatskollege Elliker entnehmen können: „Der Stadtrat ist bereit, mittels einer Studie die Situation zu überprüfen.“ Was höre ich da: Noch eine Studie? Ich habe die Interpellation zwar mitunterzeichnet, bin aber im Gegensatz zum Interpellanten überhaupt nicht der
Meinung, dass es hier eine neue Konzeptstudie braucht. Hinausgeworfenes Geld, meine Damen und Herren! Was sollen uns die aktualisierten Verkehrszahlen im Jahr 2013 an
neuen Erkenntnissen bringen, Herr Stadtrat Müller? Auf Seite 6 liegt uns eine Grafik über die Verkehrsentwicklung auf der Zürcherstrasse Ost vor, die aufzeigt, dass sich der durchschnittliche tägliche Verkehr in den vergangenen zehn Jahren bei rund 23‘000 Fahrzeugen eingependelt hat. Es braucht auch keine neuen, externen Verkehrsspezialisten, die im Auftrag des Stadtrates und des Kantons alscStrasseneigentümer alternative Verkehrsführungen prüfen. Wir kennen unsere Stadt! Das Stadium des Prüfens, Studierens und der Verkehrszählungen ist längst vorbei. Jetzt ist Handeln angesagt! Grosse Verkehrsprojekte, wie die F21 oder die Verlängerung der Breitenstrasse, sind beim Volk nicht durchgekommen. Am „Lindenspitz“ hingegen zeichnet sich wenigstens eine Teillösung des Frauenfelder Verkehrsproblems ab.

Tatsache ist: Wenn wir zu Stosszeiten vom Tower-Kreisel ins Stadtzentrum gelangen wollen, stecken wir im Stau – dies aus den eingangs erwähnten Gründen. Der Rückstau wegen des viel zu kurzen Teils der Erchingerstrasse und die Platzprobleme auf der Bahnhofstrasse im Bereich Gartenlaube scheinen den Stadtrat weniger zu beschäftigen als die (Zitat) „leicht höhere Belastung der Vorstadt“, die „nicht im Sinne des Stadtrates“ ist. Seien wir ehrlich und realistisch: Wer in die Vorstadt gelangen möchte, tut dies unabhängig von der Verkehrsführung, eben weil ein Grossteil des Durchgangsverkehrs regional oder „hausgemacht“ ist, nämlich von einem Stadtteil in den anderen.

Die Lösung ist einfach – und sie liegt auf der Hand:

  • Ich bitte den Stadtrat, den Verkehrsteiler „Lindenspitz“ -  vorerst versuchsweise - so schnell als möglich wieder zu öffnen, so dass der Verkehr stadteinwärts, via Lichtsignal geleitet, auf der Zürcherstrasse passieren kann, wie dies bis im Jahr 1999 der Fall war. Der Kanton würde einen Versuch bestimmt mittragen. Das bringt mehr als eine weitere Verkehrsstudie.
  • Ich bitte den Stadtrat, einen Kreisel bei der Einmündung Oberkirchstrasse in die Zürcherstrasse ernsthaft in Erwägung zu ziehen, um an dieser neuralgischen Stelle den Verkehrsfluss aufrecht zu erhalten. Es braucht ein wenig Mut zu dieser Lösung.
  • Ich bitte den Stadtrat, dass er sich nicht weiter auf Verkehrs- und Konzeptstudien berufen möge, sondern endlich handle.

Die allfällige leicht höhere Verkehrsbelastung der Vorstadt muss in Kauf genommen werden. Es ist schlicht und einfach das kleinere Übel.

Ich komme zum Schluss: Wir dürfen in Frauenfeld die anstehenden Verkehrsprobleme nicht weiter nur „aussitzen“, wie dies beim Stadtbus und beim „Lindenspitz“ der Fall ist. Es ist bedenklich und wahrlich kein Leistungsausweis für den Stadtrat, dass die Fronten an der Neuhauserstrasse letztlich nur durch eine Mediation aufgeweicht werden konnten, die den Steuerzahlenden in Rechnung gestellt wird. Ich erwarte von unserer Stadtregierung mehr Führungsverantwortung. Der hohe Lohn des Stadtrates ist auch deshalb umstritten, weil er zu viele Studien in Auftrag gibt und sich externe Hilfe holt, statt selbst zu entscheiden. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

  Fredi Marty, Gemeinderat MproF