Auswirkungen des Alterskonzepts der Stadt Frauenfeld

Fragestunde im Gemeinderat, 12. November 2014

Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Stadträtinnen und Stadträte, geschätzte Ratskolleginnen und Ratskollegen

Ich frage mich, wie weit ein Alterskonzept gehen muss und letztlich, ob ein solches zwingend notwendig ist. Unsere Mitmenschen im dritten Lebensabschnitt sind mehrheitlich gut vernetzt und können grossenteils selbst entscheiden, welche der vielen bestehenden Angebote sie nutzen wollen.

Nachdem die Frist für die Einreichung der Fragen abgelaufen war, leitete eine ältere Person ein Schreiben der Anlaufstelle „Alters- und Generationenfragen“ an mich weiter. Unter dem Titel „Alter und Generationen konkret“ wendet sich die Leiterin der Anlaufstelle, Frau Verena Rieser-Santo, explizit an alle 75- bis 80-jährigen Frauenfelderinnen und Frauenfelder.

Als ich diesen Text las, musste ich der Person Recht geben: Erstens drängt sich die Frage auf, warum genau die Jahrgänge 1934 bis 1939 angeschrieben wurden. Was ist mit den 74-, 82-oder 85-Jährigen? Und zweitens: Sind Menschen zwischen 75 und 80 tatsächlich so unselbständig und hilflos, dass sie Anleitungen von der Abteilung Gesundheit brauchen, wenn sie sich mit dem Thema Alter auseinandersetzen?

Getreu dem bewährten Motto „Geht dir Rat aus, geh ins Rathaus“ werden Seniorinnen und Senioren eingeladen, die Sprechstunde am Schalter im Eingangsbereich zu nutzen oder um telefonische Auskünfte anzufragen – gerade so, als wären unsere älteren – ich sage bewusst nicht „betagten“ - Miteinwohner nicht mehr in der Lage, ihr Leben selbst zu gestalten. Das trifft bestimmt auf eine Minderheit zu, aber die meisten Menschen brauchen keine alltäglichen Lebenshilfen und Beratungen, die in dieser Form an eine Bevormundung grenzen.

Das Alterskonzept der Stadt Frauenfeld schafft Begehrlichkeiten, die letztlich der Steuerzahler berappen muss. Hierbei handelt es sich eindeutig um Wunschbedarf und in Teilen sogar um ein Luxusprojekt, das vor dem Hintergrund eines vom Stadtrat budgetierten Defizits von 1,6 Mio. Franken für das Jahr 2015 nicht zu verantworten ist.   

Daher möchte ich von der zuständigen Stadträtin Elsbeth Aepli Stettler gerne wissen, wie sich das Alterskonzept auswirkt

  1. auf den bisherigen Stellenplan der Abteilung Gesundheit und auf den zukünftigen Stellenplan des Departements für Gesundheit und Alter
  2. auf den Personalaufwand bisher und ab 2015. Ich bitte um genaue Angaben der Lohnkosten
  3. auf die Kosten für Aufträge an Dritte, z. B. Projektleitung
  4. auf die Arbeit der geplanten neuen Amtsleitung Gesundheit und Alter sowie auf die befristet geschaffene Anlaufstelle für Alters- und Generationenfragen
  5. auf die Bürokosten
  6. auf die Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit.

Ich danke der zuständigen Stadträtin für die Beantwortung meiner Fragen.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF   

 

Zusatzfrage nach der Antwort von Stadträtin Elsbeth Aepli Stettler:

Die Fristverlängerung für die 60-Prozent-Anlaufstelle Alters- und Generationenfragen um zwei Jahre erinnert mich an die Schaffung der auf ursprünglich auf drei Jahre befristeten Fachstelle für Integration zu 50 Prozent. Heute haben wir dort mehrere Mitarbeitende.

Deshalb meine Zusatzfrage an Frau Stadträtin Aepli Stettler: Sie beantragen mit dem Budget 2015 neben der erwähnten Anlaufstelle zusätzlich eine 60-Prozent-Stelle „Leitung des neuen Amtes für Gesundheit und Alter“. Darüber werden wir im Rahmen der Budgetdebatte vom 10. Dezember noch reden müssen. Aber wie ich heute schon befürchte, wird der Wille zum Sparen in unserem Rat zu wenig ausgeprägt sein, so dass Sie ab Januar 2015 auf zwei ausgewiesene Fachleute für Gesundheits- und Altersfragen zählen können.

Dürfen wir in diesem Fall wenigstens davon ausgehen, dass die Projektleitung für das Alterskonzept sowie das Controlling bei der Umsetzung der Massnahmen von eben diesen Fachpersonen wahrgenommen wird und nicht mehr vom externen Büro Pfiffner Beratung GmbH? Wir wollen ja alle unser Möglichstes tun, um einer drohenden Erhöhung des Steuerfusses im Jahr 2016 vorzubeugen. Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis.