Interpellation betreffend «Leben und Begegnen in Frauenfeld»

Gemeinderatssitzung vom 23. August 2017

Sehr geehrte Frau Gemeinderatspräsidentin, sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates, geschätzte Ratskolleginnen und -kollegen

Ich bin beeindruckt: Die drei Mitglieder von „Chrampfe und Hirne“, die für die vorliegende Interpellation verantwortlich zeichnen, haben sich mächtig ins Zeug gelegt. In ihrer Sorge, dass Frauenfeld mangels Unterstützung von so genannten Kulturveranstaltungen bald zu einer „Schlafstadt“ verkommen könnte, hauen sie dem Stadt- und Gemeinderat eine Interpellation um Ohren, die fast eine Doktorarbeit heranreicht. Nach meinem Dafürhalten handelt sich bei diesem Vorstoss um eine Anklageschrift mit einer Überzahl von inquisitorischen Fragen, bei deren Beantwortung der Stadtrat laviert und taktiert hat – letztlich zu Ungunsten von jahrzehntelangen Steuerzahlenden.

Worum geht es den Interpellanten im Wesentlichen? Sie wollen den Murg-Auen-Park für ihre Zwecke beanspruchen. Lamentierend, ja, meine Damen und Herren - jämmerlich anmutend – beklagen sie sich darüber, dass die Durchführung - ich zitiere - „des beliebten und fast schon traditionellen „Out in the Green Garden“ verunmöglicht“ worden sei. Und zwar durch die Festsetzung der Leitlinien für Sonderveranstaltungen im Murg-Auen-Park durch den Stadtrat. Nur noch 1000 statt 3000 Besucher für solche kulturellen „Highlights“ sind erlaubt. Die „bösen“ Anwohnerinnen und Anwohner sind schuld, die sich durch den Lärm und die Menschenansammlungen belästigt fühlen, inklusive tagelange Auf- und Abbauarbeiten für Konzerte und dergleichen. Ich meine: Der Stadtrat ist vor den unverschämten Forderungen von „Kultur-Schaffenden“ kläglich eingeknickt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von CH, ich darf Sie an die Botschaft vom Stadtrat an den Gemeinderat zum 3,6 Mio.-Kredit für den Murg-Auen-Park vom 16. August 2011 und an die Abstimmungsbotschaft vom 13. November 2011 erinnern. Da ist die Rede von einem „naturnahen Park“. Ziele und Nutzen des Projekts, Punkt 3: „Vor der Haustüre wird eine Naturlandschaft erhalten, die der Frauenfelder Bevölkerung Naturerlebnisse, Erholung und Bewegung ohne lange Anreise ermöglicht.“ Oder in Punkt 8: „Eine minimale Infrastruktur ermöglicht die Durchführung von kleineren Veranstaltungen.“ Was ist darunter zu verstehen? Musikalischer Lärm mit 1000 oder gar 3000 Fans, der für die einen „Kultur“ bedeutet und für die anderen, die zum Teil schon mehr als 50 Jahre lang Anwohner sind, nichts anderes ist als eine unzumutbare Belästigung?

Ich setze mich klar und deutlich für die Frauenfelder Bevölkerung und insbesondere für die lärmgeplagten Park-Anwohner ein, die von den politisch Verantwortlichen buchstäblich über den Tisch gezogen worden sind. Gemäss Abstimmungsbotschaft durften sie nämlich erwarten, dass der Murg-Auen-Park (Zitat) „einen konkreten Beitrag zur Gesundheitsförderung und Erholung darstellt.“ Leider ist der Stadtrat in seiner Verordnung inklusive Leitlinien zur Bewilligung von Sonderveranstaltungen weit von den Versprechen an die Bevölkerung abgerückt. Der Murg-Auen-Park wird laufend zweckentfremdet und falsch genutzt – besser gesagt: „übernutzt“.

Ich erwarte vom Stadtrat und dem zuständigen Departement, dass der Murg-Auen-Park so genutzt wird, wie in der Abstimmungsbotschaft versprochen: als naturnaher Erholungsraum für Mensch und Tier, als ein Gebiet, wo sich Flora und Fauna entfalten können.

Den Kolleginnen und Kollegen von CH empfehle ich: Überdenkt Euer Kulturverständnis und berücksichtigt dabei, dass es viele Einwohnerinnen und Einwohner gibt, die sich von Eurem Musiklärm belästigt fühlen! In einem Satz: „Ab auf die Grosse Allmend“!

Fredi Marty, Gemeinderat MproF