Zum Eintreten auf das Geschäft „Murg-Auen-Park“

Sitzung des Gemeinderates vom 21. September 2011 

Herr Präsident, geschätzte Damen und Herren

Wie wir in der „Thurgauer Zeitung“ vom 15. September lesen konnten, wird unser Rat den Auenpark-Kredit voraussichtlich klar annehmen. Da ich in diesem Artikel als der scheinbar einzige Gegner im Gemeinderat zu Wort kam, möchte ich Ihnen heute ein paar kritische Überlegungen mit auf den Weg geben.

Nach Einschätzung der Ausgangslage habe ich beschlossen, in der anschliessenden materiellen Beratung keine Änderungsanträge zu stellen. Die Meinungen scheinen bereits gemacht. Ich möchte die Diskussion nicht unnötig verlängern. Die Gruppierung „Menschen für Frauenfeld“ wird ihre Argumente gegen dieses Projekt im Abstimmungskampf einbringen. Die Botschaft an die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger lässt nämlich viele Fragen offen.

Wer das Ohr nahe am Volk hat, wird Frau Gemeinderätin Ruth Kern nach ihrer Aussage in der TZ nicht Recht geben können. Wer sich nämlich in den Niederungen des Kurzdorfs und des Langdorfs umhört und auch mit Einwohnern der höher gelegenen Quartiere spricht, wird feststellen: Es gibt nicht nur positive Stimmen zum geplanten Murg-Auen-Park. Immerhin räumt Stadtrat Ruedi Huber ein, dass die Reaktionen geteilt seien. So ist es, meine Damen und Herren.

Wie ich schon zitiert wurde: Dieses Projekt ist weder Fisch noch Vogel oder, wenn Sie so wollen, „weder Fisch noch Wasservogel“. Setzen wir dort an, wo in der Botschaft steht, ein derartiger naturnaher Park mit einer Auenlandschaft mitten in einer Stadt stelle schweizweit eine Besonderheit dar. Stimmt nicht ganz!

Nur ein Beispiel, wie man es auch machen könnte: In Zürich soll im Sommer 2013 der Limmat-Auenpark Werdhölzli eröffnet werden. Der bestehende Auenwald soll, ähnlich wie es im „Buebewäldli“ vorgesehen ist, wieder sporadisch mit Flusswasser versorgt werden und als Hochwasserausgleichsfläche sowie als Biotop dienen. Die Erholung suchende Bevölkerung kann den auentypischen Lebensraum künftig von einem Steg aus erleben und die Tiere – Wasservögel, Fledermäuse, Amphibien und Fische – beobachten. Der bessere Zugang zur Limmat, der Erlebnisweg sowie eine Fussgänger- und Veloverbindung werten das Naherholungsgebiet schonend auf. Für mich von entscheidender Wichtigkeit: Nirgends ist ein Pavillon zur Durchführung irgendwelcher Veranstaltungen geplant.

Wenn wir heute der Umzonung des Gebiets Murgwiese von der Freihaltezone Siedlung in die Zone für öffentliche Anlagen zustimmen, öffnen wir einer zukünftigen Infrastruktur im Auenpark Tür und Tor. Der moderne Pavillon wird als „Ausgangsbasis“ für die Parkbesucher, insbesondere Kinder und Familien, angekündigt. Man wähnt sich fast auf einer Himalaja-Expedition mit einem Basislager für den Aufstieg. Dabei geht es lediglich um ein rund vierhundert Meter langes Waldstück!

Öffentliche Toilettenanlagen sollen eingebaut werden – und dann dies: „Bei Bedarf“ kann ein temporärer Verpflegungsstand eingerichtet werden; „bei Bedarf“ kann das beheizbare Lokal vermietet werden; und ebenfalls „bei Bedarf“ kann der Stadtrat wegen der zu erwartenden hohen Besucherfrequenz „weitere Massnahmen“ in Betracht ziehen. Ein bisschen viel Bedarf für eine ungewisse Zukunft!

Viele Frauenfelderinnen und Frauenfelder wollen nicht, dass das Buebewädli zu einem Anziehungsort für Menschenansammlungen wird. Wer in den späten 60er Jahren, noch vor dem Bau der A7, als Kind einen grossen Teil seiner Freizeit hier verbracht hat, weiss, wovon ich rede. Unser Herz hängt an diesem Waldstück. Wir sind uns sicher, dass sich in einem Auenpark mit der geplanten Ausgestaltung genau jene Hängerszene festsetzen wird, die wir dort nicht haben wollen. Randständige, aber auch weit schwierigere Zeitgenossen werden sich wie zu Hause fühlen. Es wäre naiv und fahrlässig, genau diese Entwicklung nicht vorauszusehen. Das Sicherheitsbedürfnis und die damit verbundenen Kosten werden unverhältnismässig hoch sein, ebenso die Kosten für Reinigung und Unterhalt.

Zu einem Auenpark nach Zürcher Vorbild könnte man allenfalls noch Ja sagen. Natur pur in Stadtnähe, aber im Sinne einer massvollen und schonenden Nutzung. Wir wollen keine Begehrlichkeiten schaffen für die Durchführung diverser Vereinsanlässe im Pavillon und darum herum, wir wollen keinen Austragungsort für irgendwelche Veranstaltungen und schon gar keinen Anziehungspunkt für dubiose Leute. Für Veranstaltungswillige und Vereine haben wir in Frauenfeld genug Angebote. Ausserdem sind Kinderspielplätze sowie kleinere Parkanlagen ausreichend vorhanden.

Noch ein kurzer Gedanke zur Breitenstrasse: Müsste man in der Botschaft nicht fairerweise erwähnen, dass eine Verlängerung dieser Strasse durch das Buebewädli nun definitiv vom Tisch ist? Ich war damals, 1997, auch gegen eine Verlängerung, aber in Anbetracht der von vielen beklagten Verkehrsprobleme in Frauenfeld müssten wir konsequenterweise darauf hinweisen, dass diese Verkehrsentlastung nun nicht mehr möglich ist.

Zur geplanten Aufwertung des Mühlewiesenkanals: Ich empfinde die vorgesehene Sanierung als lieblos. Das hat wenig mit einer naturnahen Verbauung zu tun. Es scheint nur noch darum zu gehen, einen ehemaligen Industriekanal zu möglichst tiefen Unterhaltskosten mit einer überaus bescheidenen Restwassermenge zu beschicken. Nach den dürftigen Ausführungen in der Abstimmungsbotschaft können sich die Stimmberechtigten wohl kaum vorstellen, wie der Kanal in Zukunft aussehen soll.

Und schliesslich: Hinter die Erstellungs- und Unterhaltskosten für den Park muss ich ein dickes Fragezeichen setzen.  Ich glaube niemals, dass 50‘000 Franken für Diverses und Unvorhergesehenes ausreichen werden. Da liegt schon jetzt ein Nachtragskredit in der Luft. Ausserdem würde es mich im Sinne einer Kostentransparenz interessieren, wieviel die Wasserbaukosten des Kantons betragen, bis zu welcher Höhe diese zugesichert sind und wieviel Geld vom Bund zu erwarten ist.

Grundsätzlich bin ich nach ausführlichen Diskussionen mit vielen Menschen hier in Frauenfeld der Meinung, eine verbesserte Waldpflege und eine naturnahe Aufwertung des Mühlewiesenkanals würden vollends ausreichen. Dringend nötig wäre zudem eine strengere Ermahnung - von mir aus auch gerne mit Bussenfolge - von Hundehaltern, die ihre Vierbeiner zum Versäubern frei herumlaufen lassen.

Zugegeben: Das Projekt „Murg-Auen-Park“ ist unter der Führung von Stadtrat Ruedi Huber von anfänglich hochtrabenden Ideen und wirren Visionen entlastet und auf ein diskutables Mass zurückgefahren worden. Aber es ist immer noch zu teuer und für uns aus den erwähnten Gründen nicht annehmbar.

Fazit für mich heute Abend: Eintreten Ja, aber bei den Schlussabstimmungen viermal ein klares Nein!

Fredi Marty, Gemeinderat MproF