Entstauen statt ausbauen

Leserbrief vom 30. April 2012

Der Gemeinderat hat am 25. April der ersten Ausbaustufe „Sanierung und Ausbau der Langfeldstrasse“ grossmehrheitlich zugestimmt. Der Rat bewilligte einen Kredit von 970‘000 Franken für den Strassenbau und für den notwendigen Landerwerb, einschliesslich einer allfälligen zweiten Ausbau-Etappe. Namens der Gruppierung „Menschen für Frauenfeld“ war ich einer von 6 Nein-Stimmenden, weil für uns das Prinzip „entstauen statt ausbauen“ gilt. 

Dass die Werkleitungen in der Langfeldstrasse ersetzt und erneuert werden müssen, ist unbestritten. Für die Unterhaltsarbeiten von 880‘000 Franken ist der Stadtrat zuständig. Hinter die zusätzliche Investition von rund 1 Million Franken – ein weiteres Kreditbegehren für die vom Stadtrat vorgesehene zweite Ausbaustufe dürfte folgen – muss ich ein dickes Fragezeichen setzen.

Die Langfeldstrasse soll gemäss „Verkehrskonzept Frauenfeld Ost“ des Stadtrates als Entlastungsstrasse dienen, weil die Stadtplaner in diesem Gebiet mit grösseren Entwicklungsmöglichkeiten rechnen. Der Gemeinderat ist dieser Einschätzung im Januar gefolgt und hat den Versuchsbetrieb der Stadtbuslinie 5, Juch, vorerst bis Dezember 2014 verlängert.

Mich stört, dass der Stadtrat für den auf unsicheren Verkehrsprognosen basierenden Endausbau einen „Luxusboulevard“ von 18,5 m Breite plant, das dazu nötige Land „sicherheitshalber“ schon jetzt käuflich erwirbt und sogar eine separate Busspur plant. Wir erinnern uns: 1997 wurde die Verlängerung der Breitenstrasse zur Verkehrsentlastung deutlich abgelehnt. Eine Verkehrsverlagerung auf die Militärstrasse entlang der Murg stadteinwärts ist bei der heutigen Planung absehbar und macht wenig Sinn.

Deshalb habe ich die Wiedereröffnung des „Lindenspitzes“ beim Verkehrsteiler Zürcherstasse/Bahnhofstrasse vorgeschlagen. Seit Jahren ist der Rückstau sehr ärgerlich, der sich in Stosszeiten bildet, wenn Autofahrer von der Bahnhofstrasse links in den viel zu kurzen Ast der Erchingerstrasse abbiegen, weil sie stadteinwärts oder Richtung Huben/Spital auf die Zürcherstrasse gelangen wollen. Rechts ist auf der Bahnhofstrasse wegen der engen Platzverhältnisse kein Vorbeikommen möglich.

An dieser neuralgischen Stelle haben die Verkehrsplaner nicht mit Weitsicht geglänzt. Der Stauauslöser „Lindenspitz“ muss mit der Wiedereröffnung der Zürcherstrasse für den stadteinwärts fahrenden Verkehr endlich entschärft werden - Stadtbus hin oder her. Das ist der Wunsch vieler Frauenfelderinnen und Frauenfelder.    

Fredi Marty, Gemeinderat MproF