Menschenkette: Kaff setzt falsches Signal

Leserbrief vom 3. Februar 2013

Eines vorweg: Ich bin für das Frauenfelder Kulturlokal Kaff. Deshalb habe ich die seinerzeitige Interpellation von alt CH-Gemeinderätin Lisa Landert mitunterzeichnet. Ein Jugendverein, der das Kulturleben in unserer Stadt mitgestaltet und bereichert, verdient unsere Unterstützung. Die Frage ist nur: Wie weit? 

Die Stadt Frauenfeld leistet einen jährlichen Beitrag von 35‘000 Franken an den Verein projektKAFF. Private Gönner spenden Geld, um das um seine Existenz kämpfende Kulturlokal vor dem scheinbaren Untergang zu retten. Nun wollen die Kaff-Betreiber am kommenden Samstag sogar eine Menschenkette bilden, um Sympathisanten für den gewünschten neuen Standort an der Rheinstrasse 14 zu begeistern.

Die jungen Kulturmacher sollten die Symbolkraft einer Menschenkette nicht unterschätzen: In Prag stellten sich im Jahr 1968 mutige Menschen den Sowjet-Panzern entgegen. Eine Menschenkette schützte 1997 mit Sandsäcken die Dämme vor der drohenden Oderflut. Vor drei Jahren bildeten Atomkraftgegner in Deutschland mehrere Menschenketten mit über 100‘000 Teilnehmenden.

Angemessene Unterstützung für angemessenes Verhalten finde ich gut. Die Zwängerei der Kaff-Leute geht mir aber entschieden zu weit. Die Liegenschaft Rheinstrasse 14 eignet sich nicht als neuer Standort. Einerseits wären die Kosten für bauliche Investitionen kaum tragbar. Andererseits ist ein Konflikt mit den Anwohnern wegen Lärmimmissionen und der leider bekannten Abfall-Problematik vorprogrammiert.

Wohl deshalb hielt sich der Stadtrat in seiner Beantwortung auf die Interpellation vornehm zurück, indem er betonte, dass bei der Suche nach einem neuen Lokal „kein besonderes Schwergewicht auf die Innenstadt gelegt wird, sondern dass alle Möglichkeiten geprüft werden, ob sie im Zentrum oder anderswo in der Stadt Frauenfeld liegen“. 

Vielleicht könnten die Vereinsverantwortlichen des Kulturbetriebs im Eisenwerk, der von der Stadt ebenfalls mit namhaften Beiträgen unterstützt wird, der Frauenfelder Jugendkultur übergangsweise einen Rahmen für ihre Veranstaltungen bieten. Die Kaff-Betreiber werden für ihren Existenzkampf und eine weitere gezielte Standortsuche verdientermassen belohnt werden. Die Bildung einer Menschenkette während der Fasnacht wäre ein falsches Signal.      

 

Fredi Marty, Gemeinderat MproF