Wasserrad wertet Energiestadt auf

Leserbrief vom 30. Juni 2013

Der Stadtrat Frauenfeld trägt das Label „Energiestadt“ bei jeder Gelegenheit stolz vor sich her. Beim nächsten Re-Audit soll die Auszeichnung „European Energie Award Gold“ angestrebt werden. Frauenfeld gehört zur Schweizer Spitze unter den Energiestädten.

Für das Anliegen der Grünen, beim Abfluss des Mühlewiesenkanals in den „Rossgumpen“ ein Wasserrad zu erstellen, hat die Stadtregierung jedoch kein Gehör. Zu teuer wäre die Stromproduktion eines kleinen Wasserkraftwerks, hiess es bisher aus dem Rathaus. „Fehlende Wirtschaftlichkeit“, moniert der Stadtrat. „Unter Einbezug der energiepolitischen Zielsetzungen“ gebe es bessere Projekte.

Mit Baukosten von rund 200‘000 Franken wäre zu rechnen. Das Projekt könnte problemlos aus dem Fonds für erneuerbare Energie finanziert werden. Zum Vergleich: Die Erstellung des Murg-Auen-Parks wird voraussichtlich 3,6 Millionen Franken kosten. Allein für den Bau des umstrittenen Pavillons sind 1,1 Millionen Franken vorgesehen – rund 250‘000 Franken mehr als budgetiert. Immerhin hat uns die zuständige Verwaltungsabteilung Einsparungen bei anderen Projektteilen zugesichert.

Am revitalisierten Altlauf der Murg, der den „Rossweiher“ durchfliessen wird, sollen in gut einem Jahr Kinder spielen. Der Naturpark soll die Kreativität und Fantasie aller Besucher anregen. Ein Wasserrad zur Stromgewinnung würde sowohl das Projekt als auch die Energiestadt Frauenfeld aufwerten. Wenn die Turbine an der Zeughausbrücke bei niedrigem Wasserstand still stünde, könnte das Wasserrad weiterhin Strom produzieren.

Stadtammann Carlo Parolari sieht in der guten Idee des grünen Gemeinderates Peter Wildberger keinen wirtschaftlichen, sondern höchstens einen touristischen Nutzen. Unser Finanzminister hortet seit Jahren ein Nettovermögen von 50 Millionen Franken. Für kostenaufwendige Studien und kreative Luftschlösser im Zusammenhang mit dem Stadtentwicklungsprojekt „Frauenfeld 2030“ ist demnach reichlich Geld vorhanden.

Beim Wasserrad wird leider am falschen Ort gespart. Für mich ist es offensichtlich, dass der Stadtrat vor der Diskussion um seinen Lohn kein energiepolitisches Minimalrisiko eingehen möchte. Jetzt zählt jede Stimme!        

 

Fredi Marty, Gemeinderat MproF