Böllerschuss ins Abseits

Leserbrief vom 20. September 2013

„Erbsenzähler und Neider“, TZ-Ausgabe vom 19.09.13

Werner Böller bekämpft die Initiative „200‘000 Franken sind genug“ mit falschen Prozentrechnungen und fragwürdigen Zahlenspielereien. Er behauptet, die 924 Unterschriften machten „auf die Stimmberechtigten vielleicht zehn Prozent“ aus. Das ist eine unredliche Rechnung.

In Frauenfeld gibt es laut Stadtkanzlei 15‘494 Stimmberechtigte. Entscheidend ist jedoch die Stimm- bzw. Wahlbeteiligung. So betrug bei den Gemeinderatswahlen 2011 die Wahlbeteiligung 31,5 Prozent, was damals 4666 gültigen Wahlzetteln entsprach. Selbst bei einer erwartet höheren Stimmbeteiligung im Urnengang vom 24. November liegt das Stimmenpotenzial der 924 Unterschriften bedeutend näher bei 20 als bei 10 Prozent.

Böller schreibt, er würde den Job des Stadtammanns nicht für 200‘000 Franken machen. Wer sich bis heute noch nicht entschieden hat, soll glauben, dies sei ein schlechter Lohn. Da reibt sich manch ein Familienvater oder eine Mutter ungläubig die Augen. Die Wahrheit sieht wohl eher so aus, dass die überrissenen Gehälter unserer Stadträte für viele ein Ärgernis sind. Das haben selbst die Befürworter des Gegenvorschlags erkannt.

Die Pflichten im Dienste der Bevölkerung bezeichnet Böller abschätzig als „Hundsverlochete“. Wir sollen den Stadtrat so weitermachen lassen wie bisher. Was passiert, wenn unsere Stadtregierung „ihr Bestes gibt“, haben wir beim Knatsch um den Stadtbus oder beim Streit an der Neuhauserstrasse gesehen. Die Frauenfelder haben aufbegehrt. Die Einwohner und Bürger mussten sich wehren.

Böllers Schuss gegen die Lohninitiative von BDS und MproF ist ein Rohrkrepierer. Jetzt sagen die Stimmberechtigten, was gilt. Besorgte Steuerzahler geben ihre Stimme ab. Das Volk hat ein besseres Augenmass für gerechte Löhne als der Gemeinderat.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF