Stadtbus «de Luxe»: Weniger ist mehr!

Leserbrief vom 27. Januar 2014

Als ich dem Stadtbuskonzept 2014 zustimmte, folgte ich den scheinbar guten Argumenten der Befürworter. Heute, nach mehreren Gesprächen mit Fachleuten, weiss ich, dass ich einen Fehler gemacht habe: Die Umsetzung ist zu teuer. Es gibt triftige Gründe, die für eine Ablehnung der Vorlage sprechen.

Erstens: Auf Seite 5 der Abstimmungsbotschaft weisen Stadtrat und Gemeinderat auf den Nettoaufwand für den Stadtbus hin, der gegenüber dem Voranschlag 2013 "um lediglich 0,67 Mio. Franken auf 1,99 Mio. Franken" steige. Das entspricht einer unverantwortbaren Erhöhung um 50 Prozent. Die prognostizierte Finanzlage der Stadt Frauenfeld verlangt nach Einsparungen. Leider hinterfragte die zuständige Geschäftsprüfungskommission den kostenaufwendigen Bericht der Beratungsfirma Metron zu wenig.

Zweitens: Wir sehen nicht ein, dass auf Teufel komm raus am 15-Minuten-Takt festgehalten wird. Die Stadtbus-Verantwortlichen sind voreilig vom 20-Minuten-Takt abgerückt, weil dieser angeblich nicht in den 30-Minuten-Takt-Raster des übergeordneten öffentlichen Verkehrs passe. MproF ist davon überzeugt, dass eine schlanke Anbindung auch dann gewährleistet wäre, wenn die Pendlerinnen und Pendler ein paar Minuten länger auf die Züge warten müssten. Das Stadtbuskonzept 2014 gründet auf dem Wunschbedarf vieler Passagiere, ohne nennenswerten Zeitverlust den nächsten Anschluss zu erreichen. Diese Forderung ist mit Mehrkosten verbunden.

Drittens: In einer Medienmitteilung über das "Erfolgsmodell Stadtbus" gibt die Verwaltung zu, dass mehr Passagiere das Problem der Fahrplaninstabilität verschärfen, weil das Ein- und Aussteigen länger dauert. Die Verspätungen wegen des Individualverkehrs und der unvermeidbaren Baustellen erschweren die Einhaltung des 15-Minuten-Taktes, was die Chauffeure zu einer riskanteren Fahrweise zwingt. Zudem könnte man mit dem 20-Minuten-Takt auf mindestens einen von zwei zusätzlichen Bussen verzichten.

Viertens: MproF ist gegen die definitive Einführung der Stadtbuslinie 5 "Juch". Die Annahme, dass die Nachfrage mit der zu erwartenden Siedlungsentwicklung im Osten der Stadt weiter steige, ist uns zu vage. Der Bruttokredit von 375'000 Franken pro Jahr für diese Linie ist daher unnötig.

Und schliesslich: MproF unterstützt die Stimmrechtsbeschwerde des Bundes der Steuerzahler. Die unvollständige Abstimmungsbotschaft mit den fehlenden Nein-Stimmen im Gemeinderat hat sehr wohl einen Einfluss auf das Ergebnis. Die erste Reaktion aus dem Rathaus war überheblich und unangemessen, das eilends nachgereichte Bedauern der Stadtkanzlei nur Schadensbegrenzung in eigener Sache. Auch die Redaktionskommission des Gemeinderates kommt hier nicht gut weg.

Aus diesen Gründen empfiehlt die Gruppierung "Menschen für Frauenfeld" den Stimmberechtigten, die beiden Bruttokredite für die Umsetzung des Tagesangebots und für die definitive Einführung der Stadtbuslinie 5 abzulehnen. Bei einem Nein am 9. Februar könnten die Stadtbus-Planer ein neues Konzept ausarbeiten, das sowohl einer sparsameren Finanzplanung Rechnung trägt als auch den Bedürfnissen der Passagiere entgegenkommt.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF