Stadtbus: Schönfärberei statt Ausgabenbremse

Leserbrief vom 2. Februar 2014 / Entgegnung auf die Stellungnahme der Stadtbusverwaltung in der "Frauenfelder Woche" vom 29. Januar 2014

Der Leiter der Stadtbusverwaltung, Urs Ambühl, betreibt Schönfärberei. In seiner sehr ausführlichen Stellungnahme auf meinen Leserbrief betont er, mit dem Stadtbuskonzept 2014 liege der Nettoaufwand "nur 80'000 Franken über dem Nettoaufwand von 2011". Macht also "nur" eine runde Million Mehraufwand in 12 Jahren! 

Zur Erinnerung: Gegenüber dem Voranschlag 2013 steigt der Nettoaufwand um 670'000 Franken. Dies entspricht einer Erhöhung um sage und schreibe 50 Prozent!  

Wir nehmen mit Erstaunen zur Kenntnis, dass Urs Ambühl seinem Chef finanzpolitisch klar widerspricht. Stadtammann Carlo Parolari und die zuständige Geschäftsprüfungskommission haben dem Gemeinderat aufgezeigt, dass der finanzielle Spielraum für die Stadt Frauenfeld in den nächsten Jahren enger wird. Der Finanzplan gibt zu Besorgnis Anlass. Deshalb tritt MproF auf die Ausgabenbremse und hinterfragt jeglichen Mehraufwand kritisch - auch in anderen Verwaltungsbereichen, wo für uns das Ausgabenwachstum unverantwortbar hoch ist. Wir richten unser Augenmerk insbesondere auf die Kommunikation Stadtentwicklung und die Vergabe von Planungsaufträgen in den Abteilungen Hoch- und Tiefbau.

Am 20-Minuten-Takt für den Stadtbus halten wir fest. Auf den langen Linienästen Schönenhof oder Flurhof gerät der 15-Minuten-Takt zur täglichen Zwängerei. Wenn die Chauffeure den Fahrplan unter Zeitdruck einhalten müssen, werden sie zu einer ruppigen Fahrweise gezwungen. Damit haben vor allem ältere Passagiere grosse Probleme. Wie Urs Ambühl bemängelt, seien mit dem 20-Minuten-Takt nur stündlich schlanke Anschlüsse an die Schnellzüge Richtung Zürich möglich. Dazwischen, so meinen wir, sind die Wartezeiten sowohl zumutbar als auch planbar. Die Forderungen und Wünsche im Öffentlichen Verkehr sollten realistisch und finanzierbar bleiben.

Schliesslich würde die Gruppierung "Menschen für Frauenfeld" von Chefredaktor Eugen Benz gerne wissen, warum er bereits zum zweiten Mal - Stadtratslöhne und Stadtbuskonzept - unter unsere Abstimmungsempfehlung eine Gegendarstellung von offizieller Seite ins Blatt rückt. Konsequenterweise und im Sinne einer Gleichbehandlung müssen wir also damit rechnen, dass die "Frauenfelder Woche" inskünftig jede abweichende Meinung, die in einem Leserbrief oder in einer parteilichen Stellungnahme geäussert wird, zeitgleich von der zuständigen Verwaltungsabteilung kommentieren lässt.

Diese Praxis halten wir für unüblich und fragwürdig. Auf 23 Seiten werben Stadtrat und Gemeinderat in ihrer Botschaft für zwei Bruttokredite von über 1,1 Millionen Franken jährlich zur Umsetzung des Stadtbuskonzeptes 2014. Wenn die FW eine abstimmungs-kritische Parole sogleich mit einer weiteren Stellungnahme aus der Verwaltung kontert, betreibt sie als amtliches Publikationsorgan reinen "Verlautbarungsjournalismus". Eine Forumszeitung würde die ausgewogene Meinungsbildung vor einem Urnengang höher gewichten.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF