Open Air: Pfadi als Vorbild

Leserbrief vom 18. Juli 2014
als Entgegnung auf die Kolumne „Murgspritzer“, TZ-Ausgabe vom 16. Juli 2014

Zwei Artikel in der „Thurgauer Zeitung“, die den (Zelt)Müll auf dem Festival-Gelände auf der Grossen Allmend thematisieren und gleichzeitig - leider - relativieren, kann ich als Gemeinderat nicht unwidersprochen stehen lassen. Dem „Murgspritzer“ entspringt der Geistesblitz: „Besser das Open Air als Atommüll“. Als ob dieser Titel nicht schon zynisch genug wäre, appelliert der Kolumnist mit Ironie an unser Gewissen als Gutmenschen, die selbst auch schon Lebensmittel in den Abfall geworfen hätten. Und weiter: Dem Zeltschlachtfeld zum Trotz habe Frauenfeld das grösste Hip-Hop-Festival Europas.

Aber hallo? Brauchen wir den Grossanlass in dieser pervertierten Form wirklich für das Image und Wohlergehen unserer Stadt? Die Aussage des Mediensprechers des Open Airs in der TZ-Ausgabe vom 15. Juli sollte uns zu denken geben: „Wir wollen keine neuen Regeln!“ Er verweist unter anderem auf einen Kurs in Nachhaltigkeit, den „über 30 Besucher“ (!) absolviert hätten. Der Klassenbeste erhielt sogar ein VIP-Bändeli: Bravo! Diese an sich gut gemeinte Massnahme ist ebenso lächerlich wie nutzlos, wenn Zehntausende ihre Zelte und ihren Müll, darunter sogar Campingstühle und Gepäckwägeli, einfach liegen lassen.

Es braucht unbedingt neue Regeln! In der Pflicht steht nun der Stadtrat als Bewilligungsbehörde in Absprache mit dem VBS als Grundeigentümer. So kann und darf es nicht weitergehen! Wenn uns die grösste Tageszeitung der Schweiz am Montag mit der Schlagzeile aufrüttelt: „Chaos in Frauenfeld: Müllhalde Open Air“ und darunter ergänzt: „Nach dem Festival-Wochenende bleiben 150 Tonnen Abfall liegen“, müssen die politischen Verantwortlichen reagieren. Die Veranstalter und vorwiegend jugendlichen Besucher brauchen offensichtlich strengere Auflagen.

Im Namen der Gruppierung „Menschen für Fauenfeld“ (MproF) empfehle ich allen Beteiligten: Nehmt euch die Pfadfinder zum Vorbild! In der Pfadi haben die Jugendlichen gelernt, wie man Zelte aufstellt und wieder abbaut, wie man Abfälle umweltgerecht entsorgt und einen Platz sauber aufgeräumt zurücklässt. Das wäre schön, lässt sich aber in der Praxis schwerlich umsetzen.

Für die vielen Tausend Menschen, die aus der ganzen Schweiz nach Frauenfeld kommen, um Musik im Freien zu hören, drängt sich eine entscheidende, verschärfte Auflage auf:

Niemand braucht ein Zelt! Und wer Campingstühle und sonstigen Hausrat anschleppt, wird gleich wieder nach Hause geschickt. Stattdessen stellt der Veranstalter ein paar grosse Zelte zum Übernachten auf und gibt beim Eingang, sofern erwünscht, Billigschlafsäcke ab, die über einen höheren Eintrittspreis verrechnet werden. All jenen, die mit Haschisch vollgedröhnt glückselig vor sich hin vegetieren, dürfte eine kalte Dusche von oben ohnehin egal sein: Sie wollen nur eine „Hip-Hop-Party“ feiern und sich gelegentlich erleichtern, getreu dem Motto „Nach mir die Sintflut“.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF, Frauenfeld