Antworten auf Fragen der „Frauenfelder Woche" zu den Gemeinderatswahlen vom 26. April 2015

Stadtfinanzen: Was muss geschehen, damit diese ins Lot kommen?
Das ist mit konkreten Sparmassnahmen möglich, die keinen Leistungsabbau zur Folge haben: Vorläufiger Personalstopp in der Stadtverwaltung; keine unnötigen und teuren „Wunsch"-Projekte (z. B. Innovationspark!); Honorare an externe Berater, Gutachter und Fachexperten auf ein Minimum beschränken; Kulturbeiträge massvoll kürzen, ohne Kultur zu verhindern. Und: Die Gemeindeordnung noch einmal revidieren, damit die Budgethoheit wieder beim Volk liegt. Weder der Gemeinderat noch der Stadtrat haben genug Sparwillen bewiesen. Der jetzige Steuerfuss muss gehalten werden!

Wohnen in Frauenfeld wird fast unbezahlbar. Wie geben Sie Gegensteuer?
Die Stadt kann günstigen Wohnraum schaffen. Davon würden vor allem Familien profitieren, die mit einem knappen Budget haushalten müssen. Der Stadtrat kann das Landkreditkonto noch besser nutzen; er kann Liegenschaften der Spekulation entziehen; er kann genossenschaftliches Wohnen fördern. Ich appelliere aber auch an Bauherrschaften und Vermieter, nicht nur an ihre Renditen zu denken, sondern auch an die Bewohner ihrer Liegenschaften. Die „Wohninitiative" von CH, die einen Wohnbaufonds in der Gemeindeordnung vorsieht, geht uns von MproF hingegen zu weit.

Haben wir ein Verkehrsproblem? Falls ja: Wie wird es Ihre Partei lösen?
Das Verkehrsproblem ist – im Vergleich mit anderen Städten – überschaubar. 60 Prozent des Verkehrs ist „hausgemacht": von einem Stadtteil in den anderen. Gegenmassnahme: Autofahren nur wenn nötig. Von einem „Einbahnring" (Mehrkilometer wegen Umwegfahrten, Ausweichverkehr in Quartiere) bin ich nicht mehr so überzeugt wie noch vor vier Jahren. Hingegen muss der „Lindenspitz" endlich wieder geöffnet werden und beim Einlenker Oberkirchstrasse ein Kreisel gebaut werden, um den Rückstau auf der Bahnhof-/Erchingerstrasse und auf der Zürcherstrasse Ost zu verhindern. Ein zentrumsnaher Entlastungstunnel ist bis auf weiteres nicht finanzierbar.

Wie helfen Sie der Vorstadt auf die Beine?
In der Vorstadt hat es alteingesessene und erfolgreich geführte Läden, Geschäfte, Gewerbebetriebe und ein paar gute Lokale, wo man gerne einkehrt. Ich glaube nicht, dass man der Vorstadt „auf die Beine helfen" muss; und schon gar nicht mit einer erzwungenen „Begegnungszone" wie in der Altstadt, wo die verkehrsfreie Zürcherstrasse am Samstag und das eingeschränkte Parkplatzangebot zu einschneidenden Umsatzeinbussen für Ladenbesitzer und Gewerbetreibende führen werden.

Kultur: Haben wir genügend davon? Was fehlt?
Ja, das Kulturangebot (siehe auch „Kultur in Frauenfeld" auf der Homepage der Stadt: „Der Kulturtisch in Frauenfeld ist reich gedeckt") wurde in den vergangenen Jahren laufend erweitert und mit grosszügigen Beiträgen aus Steuergeldern unterstützt. Und nein, es fehlt nichts, ausser „Wünschenswertes", wie ein Stadttheater oder ein Opernhaus. Ernsthaft: In Zeiten der knapper werdenden Finanzen müssen wir über die eine oder andere Beitragskürzung nachdenken.

In Frauenfeld fühlt man sich im Gegensatz zu anderen Städten vergleichbarer Grösse sicher, wenn man allein unterwegs ist. Was ist zu tun, damit es so bleibt?
Das gut funktionierende Sicherheitskonzept muss weiterhin konsequent umgesetzt und laufend angepasst werden. Brennpunkte sind die Bereiche Bahnhofplatz, Bahnhof-Nord (Lindenpark mit dem Murgübergang) und in naher Zukunft der Murgauen-Park, der nicht nur willkommene Besucher anziehen wird.

Jeder wird einmal alt, wenn er Glück hat. Hat er diesbezüglich Glück mit Frauenfeld?
Ja, denn das Angebot für die Betreuung und Begleitung im Alter ist für eine Stadt mit 24'000 Einwohnerinnen und Einwohnern ausserordentlich gut: Alterszentrum Park, Pflegezentrum Stadtgarten, Perlavita Friedau, dann die Genossenschaft Alterssiedlung Frauenfeld. Die Anlaufstelle für Alters- und Generationenfragen und weitere Angebote helfen betagten Mitmenschen zusätzlich weiter. Frauenfeld ist nicht nur eine kinder- und familienfreundliche, sondern auch eine seniorenfreundliche Stadt.

Viele Jugendliche behaupten: „Frauenfeld bietet uns wenig bis fast nichts." Liegt ein Körnchen Wahrheit in dieser Aussage?
Ich kann mit solchen Aussagen nichts anfangen. Es gibt ja nicht nur das KAFF und das Openair Frauenfeld. Jugendliche können auch das reichhaltige Kultur- und Vereinsangebot unserer Stadt nutzen. „Aktiv sein und mitmachen" sei das Motto – und nicht darauf warten, dass „etwas" geboten wird. Wer sich in Frauenfeld langweilt, ist selber schuld.

Wohin soll sich die Stadt entwickeln? Ihre (partei)persönliche und realisierbare Vision für Frauenfeld?
Die Stadt entwickelt sich sehr gut. Wer das Glück hat, hier zu wohnen, profitiert von einer hohen Lebensqualität. Auch als Unternehmensstandort und Arbeitsort hat Frauenfeld einen ausgezeichneten Ruf. Diesen gilt es, soweit ohne Steuererhöhung finanzierbar, mit einer massvollen Stadtentwicklung und Standortförderung zu konsolidieren. Meine Vision: Frauenfeld – Hauptstadt der Ostschweiz (falls die Kantone dereinst „Geschichte" sein sollten).

Fredi Marty, Gemeinderat MproF

Frauenfeld, 5. April 2015