Open-Air-Müll: Böllers Irrtum

Leserbrief vom 11. August 2015

Werner Böller bezeichnet meine Lösungsvorschläge zur Abfallreduktion am Open Air als „etwas skurril“ („Frauenfelder Woche“ vom 30. Juli 2015). Er beruft sich auf die Medienmitteilung der Veranstalter, die betonen, dass 213 Tonnen weniger Abfall angefallen seien als beim Regen-Festival im Vorjahr.

Ist nun „alles bestens“? Mitnichten, Herr Böller! In diesem Jahr war dem Anlass Wetterglück beschieden. Aber was passiert, wenn der Regen das Gelände einmal mehr in eine Schlamm-Wüste verwandelt? Böller behauptet, das Müllproblem liege bei den Besuchern. Und: Weder die Veranstalter noch die beiden Bewilligungsgeber (Stadtrat und Armasuisse) könnten etwas dafür. Diese Sichtweise halte ich für naiv und wenig durchdacht.

Als Gemeinderat forderte ich vom Stadtrat „verschärfte Auflagen“: Die Organisatoren sollten dazu verpflichtet werden, Depots auf Zelten zu verlangen und Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Gelände anzubieten. Die vagen Versprechungen in der Beantwortung meiner Einfachen Anfrage wurden leider nicht in die Tat umgesetzt. Was bei anderen Open Airs mit Erfolg praktiziert wird, scheint in Frauenfeld nicht möglich zu sein.

Gegenüber dem Sender „Tele Züri“ verwies unser Stadtpräsident Anders Stokholm auf die heutige Wegwerfgesellschaft. Wir müssen scheinbar damit leben, dass junge Leute ihren Müll einfach liegen lassen. Ich wehrte mich im gleichen TV-Beitrag gegen diese Mentalität. Die Allmend bedeutet mir von Kindesbeinen an sehr viel. Ich kann es nicht ausstehen, wenn jemand seinen Abfall dort einfach liegen lässt. Das Argument, nach ein paar Tagen sei alles aufgeräumt und der Veranstalter komme für die Kosten auf, greift zu kurz.

Werner Böller spricht sich gegen Littering-Bussen aus, die in anderen Schweizer Gemeinden – nicht allein wegen Freiluft-Anlässen – schon längst eingeführt worden sind. Er befürchtet, dass das Open Air irgendwann eingestellt wird. Ich und mit mir viele Frauenfelderinnen und Frauenfelder wollen das Hip-Hop-Festival nicht abschaffen. Wir fordern von den Besuchern lediglich mehr Respekt und Anstand ein.

Als vor ein paar Wochen Fahrende in der Gemeinde Wängi ihre Fäkalien hinterliessen, waren die Wiesen und Waldränder schon bald wieder sauber. Irgend jemand bezahlt immer für den Dreck der anderen, die das Gastrecht der Einheimischen mit Füssen treten – sei es bei uns auf der Allmend oder anderswo. Hätte Werner Böller die Leserbriefe in verschiedenen Zeitungen mitbekommen, die sich ernsthaft mit dem Open-Air-Müll auseinandersetzten, hätte er mich wohl kaum der Ignoranz bezichtigt. Es gibt nämlich erstaunlich viele Menschen, die es nicht einfach so hinnehmen, wenn andere ihren Müll „auswärts entsorgen“.

                                                                                   Fredi Marty, Gemeinderat MproF