Bürgerliche Bieridee

Leserbrief vom 23. April 2017

Drei Sparfüchse der SVP und ein Unternehmer der CVP haben eine Petition lanciert. Die geplante Ausweitung der Begegnungszone auf die Freie Strasse hat die vier Gemeinderäte zum bürgerlichen Schulterschluss bewogen. Auch wenn ihre Forderungen zum Teil berechtigt sind, muss ich den Vorstoss in Frage stellen.

Die Einführung der Begegnungszone hielt ich am Anfang für eine Zwängerei. Die Zürcherstrasse wird nie eine Einkaufs- und Flaniermeile werden wie die Marktgasse in Winterthur oder die Multergasse in St. Gallen. Immerhin ist es dem Stadtrat und der IG FIT als treibenden Kräften gelungen, das Zentrum mit verschiedenen Anlässen und Massnahmen zu beleben. Deshalb lohnt es sich, die Altstadt weiter aufzuwerten und die Freie Strasse als Begegnungsort einzubeziehen.

Die Petitionäre haben recht: Keinesfalls dürfen die Parkplätze in der Freie Strasse und die Zufahrtszeiten eingeschränkt werden. Dies würde dem Gewerbe massiv schaden. Was aber haben die Planungen für eine Entlastungsstrasse mit der erweiterten Begegnungszone zu tun? Gar nichts – weder zeitlich noch verkehrsplanerisch! Die Entlastungsstrasse wurde 2007 knapp abgelehnt und ist in den nächsten 10 bis 15 Jahren vom Tisch. Die Begegnungszone muss jetzt und heute attraktiver werden.

Die vorgeschlagene Erweiterung des Passage-Parkhauses mit Lift direkt in die Begegnungszone ist eine bürgerliche Bieridee. Wir haben bereits einen Lift und eine Treppe von der Grabenstrasse hinauf zur Zürcherstrasse. Diese Überwindung der Altstadtkante ermöglicht eine nahezu optimale Erschliessung.

Besonders die SVP ist für ihre Sparpolitik bekannt. Daher kann ich nicht nachvollziehen, dass vier bürgerlich-konservative Gemeinderäte ein derart unrealistisches und kaum finanzierbares Millionenprojekt fordern. Gemessen an ihrer Politik im Stadtparlament, erscheinen mir ihre Forderungen pharisäerhaft. Fast könnte man meinen, der Wahlkampf 2019 habe schon begonnen.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF