Stadtrat baut Demokratie ab

Leserbrief vom 11. Oktober 2017

Der Anteil der brieflichen Stimmabgabe liegt heute bei rund 75 Prozent - Tendenz steigend. Dieser Entwicklung trägt der Stadtrat Rechnung und hebt den Urnenstandort Gerlikon per 1. Januar 2018 auf. Das ist eine nachvollziehbare Sparmassnahme. In absehbarer Zeit werden wir ohnehin elektronisch wählen und abstimmen.

Dennoch bin ich der Meinung, dass der Stadtrat mit seinem Beschluss zu einem Abbau der direkten Demokratie beiträgt - dies im Einvernehmen mit den verantwortlichen Dorf- und Quartiervereinen. Leider, denn bereits im Jahr 2012 wurden die Urnenstandorte Erzenholz und Herten aufgehoben. Die Frage stellt sich, was denn nun unverhältnismässig sei - der personelle und logistische Aufwand für die Bestellung der Wahllokale oder die Schliessung derselben?

Die meisten Urnenstandorte befinden sich in Schulhäusern, einem Ort der Begegnung, des Lernens und des Gedankenaustausches. Die politische Diskussion am Abstimmungssonntag, der gemeinsame Apéro und das Miteinander in den Quartieren sind ein kostbares Gut unserer Demokratie. Wenn wir auf solche Traditionen verzichten, geben wir unsere Identität und unsere Werte stückweise auf. Meinungsbildung findet nicht im stillen Kämmerlein statt und erst recht nicht auf elektronischem Weg.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF