Vorstadttunnel wie ein Schildbürgerstreich

Leserbrief vom 28. März 2018

Die Präsentation der zentrumsnahen Stadtentlastung war zweifelsohne eine Bereicherung der Thurgauer Frühjahrsmesse. Der Frauenfelder Stadtrat bemühte sich redlich, den Vorstadttunnel als seine Bestvariante zu verkaufen. Wer sich die Variante 20 erklären liess, verliess den Stand der Stadt jedoch eher verwirrt als gut informiert.

Vor elf Jahren wurde der Kredit von 11,5 Millionen Franken für die Stadtentlastung F21 abgelehnt. Nun kommt uns der Stadtrat mit einer Tunnelvariante für 107 Millionen - der zweitteuersten von sieben machbaren Varianten! Die Stadt müsste sich mit mehr als 40 Millionen an den Baukosten beteiligen. Mit einem Extrablatt, das in keinem Wort auf die Nachteile des Vorstadttunnels eingeht, wird die Bevölkerung zur Vernehmlassung eingeladen.

Das neue Kapitel in der Geschichte des Frauenfelder Grössenwahns erinnert an einen Schildbürgerstreich. Noch im November 2017 hat Stadtpräsident Anders Stokholm an einer Medienorientierung verkündet (Zitat): „Linienführungen von Süden nach Westen haben einen hohen Nutzen und sind sehr wirksam.“ Wie zu erwarten war, fielen diese oberirdischen Varianten zum vornherein durch.

Der Vorstadttunnel von Süden nach Nordosten löst den abendlichen Stau auf der St. Galler-Strasse nicht auf und führt zu einem höheren Verkehrsaufkommen im Kurzdorf, insbesondere auf der Eisenwerkstrasse. Fraglich ist auch, ob die Zürcherstrasse Ost wirksam entlastet würde.

Das grösste Potenzial für eine Stadtentlastung hätte eine Autobahnspange von der A7 zur A1 mit einem Tunnel-Durchstich im Messenriet. Davon würde auch die Gemeinde Matzingen profitieren. Wir können also ruhig noch ein paar Jahre warten, bis unsere National- und Ständeräte die nötigen Bundesgelder in Bern beschafft haben.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF