Vorstadttunnel: Irritierende CVP-Aussagen

Leserbrief vom 5. Juli 2018

Den Leserbrief meiner geschätzten Ratskollegin Susanna Dreyer (CVP) in der TZ vom 3. Juli möchte ich nicht unwidersprochen stehen lassen. Sie wirft den Petitionären um Gemeinderat Roman Fischer (GP) zu Unrecht vor, die Bevölkerung ihres Quartiers verunsichert zu haben. 1627 Unterschriften für die Bittschrift sind ein starkes Signal besorgter Anwohner einer möglichen Entlastungsstrasse.

Wie hätte Susanna Dreyer wohl reagiert, wenn die Kehlhofstrasse, wo sie wohnhaft ist, in Frage gekommen wäre? Allein die Vorstellung, dass hässliche Lärmschutzwände und störender Durchgangsverkehr ein schönes Quartier verschandeln, bringt die Betroffenen auf die Palme. Der Stadtrat hat sich mit seiner Verkehrspolitik weit vom Volksempfinden entfernt, als er drei oberirdische Varianten über die Talacker- und Walzmühlestrasse in Erwägung zog. Immerhin hat er inzwischen eingesehen, dass seine Planspiele weder zielführend noch mehrheitsfähig sind.  

Mit „politischer Unerfahrenheit“ hatte der grüngefärbte Vorstoss rein gar nichts zu tun. Liebe Alt-Gemeinderatspräsidentin, mit dieser herablassenden Aussage sind Sie weit über das Ziel hinausgeschossen! Dass Sie den Vorstadttunnel unterstützen, ist Ihr gutes Recht. Allerdings sehe ich schwarz für alle Befürworter. Wenn ich mich in Frauenfeld umhöre, wird meine ablehnende Haltung gegen das vom Stadtrat favorisierte 107-Millionen-Projekt grossmehrheitlich bestätigt.

Jede zentrumsnahe Stadtentlastung führt zu Mehrverkehr in Wohnquartieren und löst die Stauprobleme nicht. Die Mitglieder von „Chrampfe und Hirne“ haben's begriffen: Mit ihrem gescheiten Papier „FrauenfeldPlus - ohne Tunnel“ zeigen sie die einzig vernünftige Lösung für die nächsten Jahre auf: unter anderem mit flächendeckenden Tempo-30-Zonen in der Innenstadt, Verkehrsleitsystemen und Aufwertung des öffentlichen Raums.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF