Exodus: Stadtrat handelt verantwortungslos

Leserbrief vom 17. Juli 2018

Der dreifache Auszug aus dem Stadtrat Frauenfeld erinnert an den biblischen „Exodus“. Mit dem kleinen Unterschied, dass die Isrealiten aus Ägypten fliehen mussten, um der grausamen Sklaverei des Pharaos zu entgehen. Den amtsmüden Mitgliedern des Stadtrates hingegen droht keine Gefahr. Sie laufen einfach davon, wenn die Legislaturperiode zu Ende ist.

Eine politische Wertung drängt sich auf. Der Stadtrat trägt eine grosse Verantwortung für die Stadt und ihre Bevölkerung. Wer sich in ein Exekutivamt wählen lässt, steht in der Pflicht, das Beste für die Gemeinde zu leisten. Im Rathaus jedoch scheint die Führungsetage vergessen zu haben, dass Gemeinwohl vor Eigennutz kommt. Jeder kocht sein eigenes Süppchen.

Wenn drei von fünf Stadträten zurücktreten, ist das ein Nachteil für unsere Stadt. Mit einem Schlag gehen viel Wissen und Erfahrung verloren. In drei Departementen müssen sich neue politische Chefs gleichzeitig einarbeiten. Diese Situation erschwert effiziente Abläufe in der Verwaltung und führt anfangs zu vielen Missverständnissen.

Ein gestaffelter Rücktritt wäre problemlos möglich gewesen. Stadtpräsident Anders Stokholm hätte koordinierend darauf hinwirken müssen. Christa Thorner (SP) zum Beispiel wird 66 Jahre alt sein, wenn sie Ende Mai 2019 geht. Sie hätte im letzten Jahr zurücktreten können. Auch Urs Müller (CH) und Ruedi Huber (SVP) hätten das öffentliche Interesse höher gewichten müssen als das eigene.

Der Titel einer dürren Medienmitteilung der Stadtkanzlei tönt verheissungsvoll: Elsbeth Aepli und Anders Stokholm kandidieren erneut. Dann geht die frohe Botschaft weiter. Der Stadtrat spricht von „vorausschauender Planung“ und „Kontinuität“. Was für eine Verblendung! In Tat und Wahrheit handelt er einfach nur verantwortungslos.

Fredi Marty, Gemeinderat MproF