Der Speck muss weg, Herr Stadtammann!

Leserbrief zum Artikel „Die speckigen Möbel müssen weg“ (TZ vom 27. Dezember 2010)

Für satte 130‘000 Franken soll das Büro des Stadtammanns modernisiert werden. Vor einem Jahr nahmen wir erstaunt zur Kenntnis, dass Carlo Parolari mit seinem Lohn von 252‘700 Franken zu den absoluten Spitzenverdienern der Schweizer Stadtpräsidenten gehört.

Und nun diese interessante Neuigkeit aus dem Rathaus: Die speckigen Möbel müssen weg. Wenn er hohen Besuch erwarte, etwa einen Bundesrat, schäme er sich fast ein bisschen, lässt er sich in der «Thurgauer Zeitung» zitieren.

Im Parterre des Rathauses wurde seinerzeit das «Kufstein-Zimmer» edel hergerichtet: für Empfänge, für besondere Anlässe und selbstverständlich auch für Sitzungen des Stadtrates. Nun fragen wir uns, ob der Sanierungskredit von 130‘000 Franken nicht ein bisschen überrissen sei für die Verschönerung der Herrenstube unseres Stadtammanns. Es könnte ja sein, dass er hin und wieder nur das gemeine Volk empfängt, wenn gerade keine Bundesräte in der Nähe sind.

Wir wollen nicht kleinlich sein: Immerhin haben uns der Stadtrat und sein treu folgender Gemeinderat mit dem Voranschlag für das Jahr 2011 bescheidene 3 Steuerprozente gewährt, die unseren Haushalt entlasten sollen. Gemäss neuer Gemeindeordnung können wir bei der Festlegung des Steuerfusses kaum mehr mitreden.

Was die Steuerzahlenden im zu Ende gehenden Jahr allerdings schmerzlich vermissten: Sowohl der Stadtammann als auch der Stadtrat sind nicht bereit, auf die geforderten 20 Prozent ihrer vergleichsweise zu hohen und viel diskutieren Saläre solidarisch zu verzichten. Im Gegenteil: Der generöse Gemeinderat hat auch sein Sitzungsgeld zu Lasten unserer Stadtkasse aufgebessert.

Wenn es einer Stadt mit einem Nettovermögen von rund 38 Millionen Franken in der Rechnung 2009 vordergründig gut geht, verlieren die politisch Verantwortlichen leicht ihr Augenmass. Sie planen zum Beispiel eine unbezahlbare und unrealistische Verkehrsentlastungsvariante, sodann wollen sie unser«Buebewäldli», einen ehemals natürlichen Auenwald entlang der Murg, zu einen Stadtpark nach Pariser Vorbild umgestalten, und schliesslich wird als wirksame Politik gegen überteuerte Integrationsprojekte die kürzlich postulierte «Nulltoleranz» auf dem Bahnhofplatz wenigstens versuchsweise eingeführt.

Der vom Stadtrat angeschobene Luxuszug wird einen langen Bremsweg haben. Besonders der Mittelstand wird die Zeche für diesen Frauenfelder Grössenwahn dereinst bezahlen müssen. Inzwischen empfehle ich unserem Stadtammann, was ich mir selbst als Vorsatz fürs neue Jahr gefasst habe: Nicht die speckigen Möbel müssen weg, Herr Parolari – zuerst muss der Speck weg!

Fredi Marty, Frauenfeld